Die meisten Paare in Deutschland haben zwischen mehrmals pro Woche und einmal im Monat Sex, und ziemlich genau zwei von fünf schaffen mindestens einmal pro Woche. So steht es in einer der größten Umfragen zum Thema. Die Frage, ob das eigene Liebesleben „normal“ ist, stellen sich trotzdem fast alle irgendwann, meist dann, wenn die Kurve nach unten zeigt.

Unten stehen die Zahlen, aufgeteilt nach Alter und Beziehungsdauer, dazu die Frage, ab wann weniger tatsächlich zu wenig ist. Der zweite Teil ist praktischer: was ihr macht, wenn einer von euch mehr will als der andere, und warum eine Zielzahl dabei selten hilft.

Wie oft haben Paare Sex? Die Zahlen aus Deutschland

Die Partnervermittlung ElitePartner hat für ihre Studie 2023 rund 4.400 Menschen in einer festen Beziehung befragen lassen, repräsentativ für Deutschland, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Fittkau & Maaß. Das Ergebnis:

Zusammengezählt heißt das: 43 Prozent der Paare schlafen mindestens einmal pro Woche miteinander, drei Viertel mindestens einmal im Monat. Die viel zitierte Frage „Wie oft haben Paare Sex pro Woche?“ hat also keine einzelne Antwort, sondern eine breite Mitte, und in dieser Mitte liegt der größte Teil aller Beziehungen.

Wie oft Sex nach Alter

Mit dem Alter sinkt der Anteil der Paare, die jede Woche Sex haben, ziemlich gleichmäßig. In derselben Umfrage sieht das so aus:

Auffällig ist, wie langsam die Kurve fällt. Selbst bei den Sechzigjährigen hat fast jedes dritte Paar wöchentlich Sex. Das Kinsey Institute nennt für die USA ähnliche Werte: rund 112 Mal im Jahr bei den 18- bis 29-Jährigen, rund 86 Mal zwischen 30 und 39, rund 69 Mal ab 40. Das sind gut zweimal, anderthalbmal und etwas mehr als einmal pro Woche, gerechnet über alle, die überhaupt Sex haben.

Wie oft Sex nach Beziehungsdauer

Stärker als das Alter wirkt die Zeit, die ihr schon zusammen seid. In den ersten Monaten bis zum ersten Jahr haben laut ElitePartner 71 Prozent der Paare mindestens einmal pro Woche Sex. Danach geht der Anteil mit jedem Beziehungsjahr zurück, und bei Paaren, die seit über 20 Jahren zusammen sind, ist es noch etwa ein Drittel.

Das ist kein Zeichen, dass etwas kaputtgeht. Die Verliebtheitsphase lebt von Neuheit und Aufregung, und beides lässt nach, sobald ihr euch kennt. Was danach kommt, ist anders, nicht unbedingt schlechter: weniger spontan, dafür vertrauter. Viele Paare stellen fest, dass sie seltener, aber entspannter miteinander schlafen.

Kinder, Schichtdienst, Alltag: was die Zahl drückt

Kinder senken die Häufigkeit weniger stark, als man denkt. Von den Paaren mit Kindern haben 41 Prozent wöchentlich Sex, ohne Kinder sind es 45 Prozent. Der Unterschied ist da, aber klein. Mehr Einfluss haben die Dinge, die Kinder mit sich bringen: Schlafmangel, fehlende Abende zu zweit, ein Schlafzimmer, in dem um sieben Uhr jemand an der Tür steht.

Dasselbe gilt für Schichtarbeit, Pendeln, Pflege von Angehörigen oder einfach volle Kalender. Wer sich unter der Woche nur beim Zähneputzen sieht, hat weniger Sex, weil schlicht die Gelegenheit fehlt, nicht weil die Lust weg ist.

Ab wann ist es zu wenig?

Eine Studie aus den USA hat Daten von über 30.000 Menschen ausgewertet und eine klare Linie gefunden: Das Wohlbefinden in der Beziehung steigt mit der Häufigkeit bis etwa einmal pro Woche. Darüber hinaus wird es kaum noch besser. Mehr Sex macht also nicht automatisch glücklicher, aber sehr wenig Sex geht oft mit weniger Zufriedenheit einher.

Trotzdem ist „zu wenig“ keine Zahl. 62 Prozent der Befragten bei ElitePartner sind mit ihrem Sexleben zufrieden, und darunter sind auch Paare, die selten miteinander schlafen. Ein Grund, genauer hinzusehen, ist eher einer dieser Fälle:

Im letzten Fall gehört der Termin zuerst zur Ärztin oder zum Arzt, weil Hormone, Medikamente oder Schmerzen dahinterstecken können. In den ersten beiden Fällen hilft ein Gespräch, notfalls mit Unterstützung einer Paarberatung.

Wenn einer mehr will als der andere

Unterschiedliches Verlangen ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Fast jedes Paar kennt die Situation, dass einer öfter möchte und der andere sich unter Druck fühlt. Das Problem ist selten der Unterschied selbst, sondern die Dynamik, die daraus entsteht: einer fragt, der andere sagt nein, beide fühlen sich schlecht. Wie ihr da herauskommt, steht ausführlich im Leitfaden zu unterschiedlichem Verlangen.

Oft steckt hinter der Schieflage auch die Frage, wer überhaupt anfängt. Wenn immer dieselbe Person den ersten Schritt macht, fühlt sie sich irgendwann abgelehnt und die andere bedrängt. Wie ihr das auflöst, beschreibt der Artikel Wer sollte den ersten Schritt machen?

Fünf Dinge, die mehr bringen als eine Zielzahl

Feste Abende. Klingt unromantisch, funktioniert aber. Ein Abend pro Woche, an dem nichts anderes geplant ist, nimmt den Druck aus dem Alltag. Ob daraus Sex wird oder ein langer Abend auf dem Sofa, entscheidet ihr dann. Wie so ein Abend konkret aussieht, steht im Artikel Sex planen in der Beziehung.

Nähe ohne Erwartung. Wer weiß, dass eine Umarmung nicht automatisch zu mehr führen muss, lässt sie häufiger zu. Paare, die sich viel berühren, schlafen am Ende meist auch öfter miteinander.

Wünsche auf den Tisch. Eine Ja-Nein-Vielleicht-Liste zeigt in zehn Minuten, was ihr beide gern ausprobieren würdet, ohne dass einer zuerst fragen muss.

Spielerisch statt verkrampft. Ein Würfel oder eine Karte, die vorschlägt, was als Nächstes passiert, nimmt beiden die Entscheidung ab. Im Spielekatalog für Paare findet ihr Spiele, die direkt im Browser laufen, von harmlos bis frech.

Qualität vor Häufigkeit. Ein ausgedehnter Abend alle zwei Wochen kann mehr verbinden als drei schnelle Male, nach denen sich keiner gesehen fühlt. Wie das geht, steht im Artikel über Slow Sex.

Wie ehrlich sind solche Umfragen?

Alle Zahlen oben beruhen auf Selbstauskunft. Menschen schätzen, und sie schätzen nicht immer genau: manche runden nach oben, weil sie sich vor der Antwort „zu wenig“ schämen, andere vergessen die ruhigen Wochen. Ein Durchschnitt sagt außerdem wenig über das einzelne Paar, weil sehr aktive und sehr inaktive Paare ihn gemeinsam ziehen. Nehmt die Zahlen deshalb als Orientierung, nicht als Messlatte. Die bessere Frage ist nicht „Sind wir normal?“, sondern „Passt es für uns beide?“

Häufige Fragen

Wie oft haben Paare in Deutschland durchschnittlich Sex?

In einer repräsentativen Umfrage von ElitePartner unter rund 4.400 Menschen in einer Beziehung gaben 43 Prozent an, mindestens einmal pro Woche Sex zu haben. Ein knappes Viertel hat mehrmals im Monat Sex, ein weiteres Viertel einmal im Monat oder seltener.

Ist einmal pro Woche Sex normal?

Ja, einmal pro Woche ist eher der Durchschnitt als die Ausnahme. Eine Auswertung von über 30.000 Menschen in den USA fand, dass das Wohlbefinden bis zu dieser Häufigkeit steigt und darüber kaum noch zunimmt.

Wie oft haben Paare nach vielen Jahren Beziehung noch Sex?

Die Häufigkeit sinkt nach dem ersten Jahr deutlich. In der ElitePartner-Umfrage haben von den Paaren, die seit über 20 Jahren zusammen sind, noch etwa ein Drittel mindestens einmal pro Woche Sex.

Ab wann ist zu wenig Sex in einer Beziehung ein Problem?

Nicht ab einer bestimmten Zahl. Ein Problem ist es, wenn einer von beiden darunter leidet, wenn ihr Nähe insgesamt vermeidet oder wenn Schmerzen oder Lustlosigkeit dahinterstecken. Dann lohnt sich ein Gespräch, bei körperlichen Ursachen auch ein Arztbesuch.

Was tun, wenn einer mehr Sex will als der andere?

Das ist der häufigste Fall und kein Zeichen, dass ihr nicht zusammenpasst. Hilfreich sind ein offenes Gespräch ohne Vorwürfe, Nähe, die nicht automatisch auf Sex hinausläuft, und feste Abende, an denen beide wissen, dass Zeit füreinander da ist.