Sex zu planen heißt nicht, die Lust nach Kalender abzurufen, sondern ihr einen Platz zu geben, den der Alltag sonst besetzt. Zwei Vollzeitjobs, ein Kleinkind, abends beide müde: Bei vielen Paaren passiert spontan schlicht nichts mehr. Ein fester Abend, der euch gehört, ändert das oft schneller als jedes Gespräch über das Problem.

Trotzdem klingt „Sex-Date“ für viele nach Pflichttermin. Unten steht, warum das Gefühl täuscht, für wen sich die Planung besonders lohnt, wie ihr ein Sex-Date in sieben Schritten vorbereitet und was ihr macht, wenn der Abend kommt und die Lust nicht.

Ist Sex planen unromantisch?

Nur wenn ihr es wie einen Zahnarzttermin behandelt. In der Kennenlernphase habt ihr eure Treffen auch geplant: das Restaurant reserviert, überlegt, was ihr anzieht, den ganzen Tag an den Abend gedacht. Niemand fand das damals unromantisch, im Gegenteil. Die Vorfreude war ein großer Teil des Reizes.

Genau diese Vorfreude geht in langen Beziehungen verloren, wenn alles auf den spontanen Moment wartet. Und der kommt selten zwischen Zähneputzen, Wäsche und dem letzten Blick aufs Handy. Die Paartherapeutin Esther Perel beschreibt es so: Begehren braucht Raum und ein bisschen Distanz, und beides muss man im Zusammenleben bewusst herstellen.

Spontane Lust und reaktive Lust

Die Sexualforscherin Rosemary Basson hat beschrieben, dass Lust bei vielen Menschen nicht aus dem Nichts kommt, sondern erst entsteht, wenn Nähe schon begonnen hat. Die Autorin Emily Nagoski nennt das reaktive Lust, im Unterschied zur spontanen Lust, die einen unvermittelt überfällt. Beides ist normal, und in langen Beziehungen überwiegt bei vielen die reaktive Variante.

Für reaktive Lust ist Warten auf den richtigen Moment eine schlechte Strategie: Der Moment kommt nicht, weil die Lust erst im Moment selbst entsteht. Ein geplanter Abend gibt ihr die Gelegenheit dazu. Wenn ihr das wisst, hört auch das Rätseln auf, ob mit euch etwas nicht stimmt, nur weil einer selten von sich aus Lust hat. Mehr dazu steht im Leitfaden über unterschiedliches Verlangen.

Für wen sich Sex-Dates besonders lohnen

So plant ihr ein Sex-Date in sieben Schritten

1. Ein Zeitfenster statt einer Uhrzeit. „Samstagabend gehört uns“ funktioniert besser als „21:15 Uhr“. Ein Fenster lässt Raum für Abendessen, Reden und den Moment, in dem es anfängt.

2. Den Termin schützen. Das Sex-Date ist nicht der Abend, der als Erstes fällt, wenn Besuch kommt oder die Arbeit drängt. Wird es verschoben, bekommt es sofort einen neuen Termin.

3. Die Logistik vorher erledigen. Kinder versorgt oder bei den Großeltern, Küche aufgeräumt, frische Bettwäsche, warmes Licht. Alles, was am Abend selbst Kopf kostet, erledigt ihr am Nachmittag.

4. Die Handys weglegen. Nicht auf lautlos, sondern in einen anderen Raum. Wer nebenbei Nachrichten liest, ist nicht ganz da, und das spürt der andere.

5. Vorfreude aufbauen. Eine Nachricht am Mittag, ein Briefumschlag mit einer Idee für den Abend auf dem Couchtisch, ein Hinweis darauf, was du anziehst. Genau hier liegt der größte Vorteil gegenüber dem spontanen Sex: Ihr habt den ganzen Tag Zeit, euch darauf zu freuen.

6. Mit etwas Leichtem anfangen. Nach einem langen Tag springt kaum jemand von null auf hundert. Ein Spiel als Einstieg nimmt den Druck: ein Wurf mit den Erotik-Würfeln, ein paar Runden Wahrheit oder Pflicht oder ein Dreh am Glücksrad. Der Zufall entscheidet, und keiner muss vorschlagen, was er sich wünscht.

7. Hinterher kurz reden. Nicht als Auswertung, sondern zwei Sätze: Was war schön, was wollen wir nächstes Mal anders? So wird aus dem Termin mit der Zeit ein Ritual, das ihr beide gestaltet.

Wenn der Abend kommt und die Lust nicht

Das passiert, und es ist der Moment, an dem viele Paare das Planen wieder aufgeben. Der Fehler liegt in der Erwartung: Ein Sex-Date ist ein Termin für Nähe, nicht die Verpflichtung zu einem bestimmten Ergebnis. Wer müde ist, sagt das ehrlich, und ihr widmet den Abend um.

Eine Massage mit warmem Öl, ein gemeinsames Bad, Kuscheln mit einer Serie oder ein ruhiger Abend nach den Ideen aus dem Artikel über Slow Sex. Oft kommt die Lust dabei doch noch, weil reaktive Lust eben genau so funktioniert. Und wenn nicht, war es trotzdem ein Abend zu zweit, und der nächste Termin steht schon.

Wichtig ist nur, dass Absagen nicht zur Regel werden. Fällt der Termin dreimal hintereinander aus, lohnt sich ein Gespräch darüber, was dahintersteckt: Erschöpfung, Ärger, Schmerzen oder etwas, das sich im Bett nicht gut anfühlt. Dabei hilft eine Ja-Nein-Vielleicht-Liste, weil sie das Reden über Wünsche leichter macht.

Wie oft ein Sex-Date sinnvoll ist

Eine feste Zahl gibt es nicht, aber einen Anhaltspunkt. Eine Auswertung von über 30.000 Menschen in den USA, veröffentlicht 2016 von der Psychologin Amy Muise und Kollegen, fand, dass das Wohlbefinden in Beziehungen bis zu etwa einmal Sex pro Woche steigt und darüber kaum noch zunimmt. Wie das in Deutschland nach Alter und Beziehungsdauer aussieht, steht im Artikel Wie oft haben Paare Sex?

Für die Planung heißt das: Ein Abend pro Woche ist ein guter Startwert, kein Muss. Eltern mit Baby fangen besser mit einem Abend alle zwei Wochen an, der dann auch wirklich stattfindet. Ein Termin, den ihr haltet, bringt mehr als drei, die ständig ausfallen.

Reden hilft mehr als jede Technik

Die Partnervermittlung ElitePartner hat in einer Studie zur Zufriedenheit in Beziehungen nachgefragt, worüber Paare miteinander sprechen. Von den zufriedenen Befragten redeten 43 Prozent über ihre sexuellen Wünsche, von den unzufriedenen nur 11 Prozent. Ein Sex-Date schafft dafür einen Anlass: Wer weiß, dass am Samstag Zeit füreinander ist, kann am Mittwoch eine Idee schicken, ohne dass es aus dem Nichts kommt.

Wenn euch die Zeit unter der Woche fehlt, helfen kleine Rituale zwischen den Terminen, etwa die sieben schnellen Intimitäts-Booster für beschäftigte Paare. Und manchmal darf es auch einfach schnell gehen: Ein Quickie zwischendurch ersetzt das Sex-Date nicht, aber er nimmt ihm den Druck, alles auf einen Abend zu legen.

Häufige Fragen

Ist es unromantisch, Sex zu planen?

Nur wenn die Planung wie ein Pflichttermin behandelt wird. Die meisten Paare erleben das Gegenteil: Wer weiß, dass der Samstagabend euch gehört, denkt schon vorher daran, und genau diese Vorfreude baut die Lust auf, auf die man im Alltag vergeblich wartet.

Wie oft sollte man ein Sex-Date einplanen?

So oft, wie es für euch beide realistisch ist. Für viele Paare ist ein fester Abend pro Woche ein guter Start, Eltern kleiner Kinder fangen oft mit einem Abend alle zwei Wochen an. Wichtiger als die Zahl ist, dass ihr den Termin schützt und nicht als Erstes streicht.

Was tun, wenn einer beim Sex-Date keine Lust hat?

Den Abend nicht absagen, sondern umwidmen. Ein Sex-Date ist ein Termin für Nähe, nicht für ein bestimmtes Ergebnis: Massage, gemeinsames Baden oder ein Spiel reichen. Oft kommt die Lust erst, wenn ihr angefangen habt, und wenn nicht, ist der Abend trotzdem nicht verloren.

Wie plane ich ein Sex-Date mit Kindern?

Legt den Termin auf einen Abend, an dem die Kinder sicher schlafen oder bei Großeltern sind, und bereitet das Nötige vor dem Abendessen vor: Bettwäsche, Licht, Handys weg. Ein Zeitfenster wie nach dem Zubettbringen funktioniert besser als eine feste Uhrzeit.

Wer sollte das Sex-Date vorschlagen?

Am besten abwechselnd. Wenn immer dieselbe Person den ersten Schritt macht, fühlt sie sich schnell abgelehnt und die andere unter Druck. Ein fester Termin nimmt beiden diese Rolle ab, weil die Frage nicht mehr jeden Abend neu gestellt werden muss.